Menschen und Firmen im Wind der Veränderung: Von Windmühlen, Schutzmauern und inneren Inseln

 

Liebe Leserinnen und Leser,

von allen Seiten hören wir die Forderungen und kaum einer wagt, sie zu hinterfragen: Wir müssen flexibel sein. Mit der Zeit gehen. Das einzige, was bleibt, ist der Wandel. Wir sollten den Wandel schlauerweise proaktiv vorantreiben, bevor er uns überrollt. Ich selbst zeige auf meiner Website den Spruch: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen manche Menschen Mauern. Andere bauen Windmühlen.“ Ich stehe weiterhin zu diesem Ansatz, mir gefällt das Konstruktive daran. Einfach Windmühlen bauen, so einfach ist das. Nur sind mir im Laufe der Jahre praktischer Anwendung drei Dinge aufgefallen:

Erstens ist es unglaublich anstrengend und ich gebe zu, ich werde auch manchmal müde, ständig neue Windmühlen zu bauen. Ich komme mir vor wie Don Quijote. Dieser ewige Kampf! Er zehrt aus, weil es keinen Sieg und kein Ende hat. Der Wind ist stets stärker.

Zweitens: Ich habe eine Sehnsucht entwickelt nach wenigstens einem Quäntchen Schutz gegen diesen nervigen Wind der Veränderung. Also vielleicht doch auch ein paar kleine Mauern neben die Windmühlen stellen?

Drittens bekenne ich ehrlich: Da war und ist mindestens ebenso viel Angst in meiner Motivation wie Lust. Klar, es macht Spaß, ständig etwas Neues. Ich habe mich auch gut daran gewöhnt. Aber wo ist eigentlich in all dem bunten Treiben das stabile Moment im Leben? Gibt es das überhaupt noch, kann es das noch geben in diesen unruhigen Zeiten?

Zum festen Inventar meiner Spruchsammlungen gehört ein anderes Beispiel, welches ich noch nirgendwo publiziert hatte: „Ein jeder von Euch mache sich selbst zu einer Insel – es gibt keine andere Zuflucht“. Lange Zeit fand ich den Spruch genauso faszinierend wie unsympathisch, weil er jeden von uns zu einsamen Robinson Crusoes macht, die auf ihren Inseln sitzen und sich der bösen Welt zurückgezogen haben, die ihnen keine Zuflucht gab. Das klingt so negativ.

Trotzdem hat das Bild von der Zuflucht auf die eigene innere Insel auch etwas Gutes, Anziehendes, Beruhigendes, wie wir an Formulierungen aus der Persönlichkeitsentwicklung feststellen können: Wir sagen, ein Mensch „ist in seiner Mitte“. Oder: Ein Mensch „ruht in sich“. Da ist sie, die Insel! Sicherheit und Stabilität in sich, aus sich heraus.

Pragmatische Frage: Wie geht das nun? Wie komme ich zu meiner inneren Insel? Oder wie baue ich mir eine innere Insel, falls ich keine habe oder sie nicht verorten kann? Eine von sicherlich vielen möglichen Wegen zu dieser Insel führt über die Identitätsarbeit.

Ich freue mich sehr, dass sich für dieses Interview über die Identität von Menschen und Unternehmen ein Experte zur Verfügung gestellt hat, dessen Name nicht nur in Fachkreisen wohlbekannt ist sondern auch in der allgemeinen Öffentlichkeit: Professor Heiner Keupp, der den Begriff der „Patchwork-Identität“ prägte.

Viel Spaß beim Entdecken oder Wiederentdecken Ihrer inneren Insel wünscht Ihnen

Ihre Dr. Annette Hartmann

Was bedeutet Patchwork-Identität für die Personal- und Persönlichkeitsentwicklung?

wortstark: Herr Prof. Keupp, Sie sind Sozialpsychologe und wurden vor allem bekannt mit Ihrem Begriff der Patchwork-Identität. Wir geraten nun unfreiwillig auf die Meta-Ebene, aber diese Biographie-Frage stelle ich immer: Wie kamen Sie zu diesem Beruf mit dieser Spezialisierung auf Identitätsforschung? Gab es hierfür ein Schlüsselerlebnis?

Heiner Keupp: Ich komme aus einem traditionsreichen Elternhaus mit vielen Pfarrern und Theologen. Da bestand immer die Erwartung, dass ich das fortsetze, was meine Vorfahren gemacht haben – und ich war frühzeitig heftig dagegen. Mein späterer Weg unterschied sich dann zwar trotzdem nicht so himmelweit von meiner Herkunft, aber zunächst sah das nicht so aus.

Ich war dann eines Tages als Universitätsprofessor verbeamtet, in Deutschland geht das ja nicht anders, und so beschritt ich einen klassischen, geraden Weg voller Sicherheit des Arbeitsverhältnisses. Im Vergleich meiner eigenen Generation mit späteren StudentInnenjahrgängen und vor allem auch mit Blick auf meine eigenen Kinder wurde mir aber zunehmend deutlich, dass eine lebenslange Sicherheit kein Paradigma für die heutige Zeit ist. Und deswegen muss auch Identität heute neu gedacht werden. In den 60er und 70er Jahren dachten wir alle, es geht alles immer so weiter. Dann kam die Ölkrise, eine zunehmend globalisierte Welt, lauter unberechenbare Faktoren…

wortstark: Sie haben also von Ihrer eigenen sicheren Insel aus all die wilden Veränderungen um sich herum beobachtet?

Heiner Keupp: Ich hatte mich schon immer mit Menschen beschäftigt, die aus Bezirken angepasster Bürgerlichkeit herausfallen bzw. herausgehen und die wurden ab den 80er Jahren immer mehr. Wir hatten 1988 eine Langzeitstudie aufgesetzt über junge Leute zwischen 18 und Mitte 20, deren Wege spätmoderne Gesellschaft wir über zehn Jahre hinweg weiterverfolgten, also bis 1998. Anfang der 80er Jahre hieß der beschönigende postmoderne Leitspruch noch „everything goes“. Dann kam die Wende und vieles hat sich in der sich zunehmend globalisierenden Welt grundlegend verändert. Diese Studie brachte mich erst recht zum Thema Identität.

wortstark: Ja, das leuchtet mir ein. Kommen wir zur praktischen Anwendung von Identitätsforschung. Stellen Sie sich bitte folgende Person vor, die im Vorstellungsgespräch sitzt: Eine 38-jährige Frau, eine kaufmännische und eine journalistische Ausbildung, acht Ortswechsel im Inland, fünf davon Arbeitgeberwechsel, zweimal geschieden, aktuell ledig, keine Kinder. Sie bewirbt sich als Vertriebsleiterin und der Personalchef fragt sie: „Was soll später einmal auf Ihrem Grabstein stehen?“ Wie würde Ihre Antwort ausfallen, wenn Sie der Frau in unserer modernen, unruhigen Zeit eine geglückte Identitätsarbeit bescheinigen wollten?

Heiner Keupp: Gar nicht so einfach… erstens weil der Grabstein nur wenig Raum bietet für eine Lebensbilanz und zweitens ist er sicher kein Ort, um auch Scheitern zu thematisieren, womit also automatisch die Auswahl der Lebensthemen vorbestimmt wäre. Aber als entscheidendes Kriterium für ein gelungenes Leben im Sinne der Identität sehe ich zum Beispiel nicht eine gradlinige Karriere sondern, ob dieser Mensch sich selbst treu geblieben ist – und dafür bisweilen auch mal Brüche im Lebenslauf akzeptiert hat. Ich würde also antworten: „Trotz aller Wechselfälle des Lebens ist sie sich selbst treu geblieben“.

wortstark: … die gefällt mir, Ihre Antwort! - Vorher sprachen Sie vom Scheitern in der Lebensbilanz. Furchtbarer Gedanke für mich, wenn ich so was im Alter oder auch schon vorher feststellen müsste. Gibt´s das denn wirklich, so ein umfassendes Scheitern?

Heiner Keupp: Man kann durchaus sein Leben als verpfuscht oder als Summe nicht genutzter Chancen betrachten. Der amerikanische Psychologe Erikson spricht von der Polarität „Integrität“ und „Lebensekel“. Man kann im Alter eine gute Lebensbilanz ziehen, wenn man erkennt, dass es gut war, verschiedene Erfahrungen durchlebt zu haben, weil dadurch zum Beispiel ganz verschiedene Fähigkeiten ausgeprägt wurden und am Ende lässt sich doch eine gute Lebenslinie zeichnen. Diese gereifte Lebensbilanz unterscheidet er vom Lebensekel, wo jemand feststellt: Ich hab´s nicht hingekriegt, weil ich mich zum Beispiel ständig von fremden Zielen leiten ließ.

wortstark: Hm. Ich sehe als Coach die Möglichkeiten des Einzelnen, das eigene Leben zu gestalten, als sehr hoch an. Trotzdem ist es auch immer ein Stück weit von außen bestimmt, was passiert, oder? Es ist doch beides?

Heiner Keupp: Ja! Es ist eben auch nicht NUR der Einzelne, der es in der Hand hat. In den USA ist zurzeit der Begriff der „proteischen Karriere“ hoch im Kurs. Der griechische Gott Proteus konnte ja alle Gestalten annehmen, die er wollte. Nach diesem Vorbild soll eben auch der Mensch diese ständige hohe Flexibilität mitbringen. Dies ist die Ideologie des neoliberalen Menschenbildes. Ich warne davor! Proteus war letztlich eine tragische Figur, denn er wechselte nur deswegen dauernd die Gestalt, weil er versuchte, herauszufinden, wer er ist. Er handelte nicht aus Lebensfreude, sondern aus Getriebenheit auf der Suche nach der eigenen Wahrheit. Ich befürworte sehr ein offenes Menschenbild, aber diese Offenheit muss davon gelenkt sein, dass die Person das aus eigener Überzeugung WILL und dass sie nicht von außen dazu gedrängt wird und alles nur aus Angst heraus tut.

wortstark: Verstehe, das wäre dann „flexibel wider Willen“ und tut weh. Aber vielleicht gibt es ja einen Balsam, gerade auch angesichts einer mehr oder minder gescheiterten Lebensbilanz? In Ihren Aufsätzen habe ich gelesen, Identitätsarbeit sei „konstruktive Selbstverortung“. Heißt das für den Blick auf die eigene Geschichte, ich etikettiere einfach alles, was in meinem Leben passiert ist, nachträglich als gewollt? So erhielte ich wenigstens rückwirkend den Anschein von zielorientiertem und kontrolliertem Vorgehen?

Heiner Keupp: Konstruktive Selbstverortung heißt, zu erkennen, wo definiere ich mich als Opfer und gehe möglicherweise in die Jammerposition und wo war ich Gestalter des Lebens? Völlig autonome Gestalter gibt es übrigens viel weniger, als sich das manche Politiker und Wirtschaftskapitäne wünschen: Die bilden sich gerne ein, sie hätten die Geschicke der Welt gelenkt, dabei handelten sie letztlich oft nur als Marionetten ihrer Verhältnisse. Marx nennt das die „Charaktermasken“. Aber was für alle anderen Menschen wichtig ist, ist „Kontingenz“: Viele Dinge im Leben sind nicht planbar, die treten ein und dann heißt es zugreifen oder nicht. Das meint der Begriff Kontingenz. Daraus kann ein jeder ein persönliches Schicksal machen. Aber es ist eben immer beides: Menschen sind immer ein Produkt ihrer Verhältnisse und gleichzeitig auch ihre Herren.

wortstark: Das ist interessant: Sie siedeln die Selbstverortung in der Gegenwart an und ich habe sie im Rückblick angesiedelt, mit dem nachträglichen positiven Etikettieren. Da haben wir verschiedene Zeitperspektiven. Wenn wir wieder auf die Frau im Vorstellungsgespräch kommen, sollte die nun alle ihre Brüche in der Biographie vorsichtshalber als gut darstellen?

Heiner Keupp: Im Bewerbungsgespräch ja, denn da kommt es darauf an, sich selbst mit seinen Stärken darzustellen. Aber in der Selbstreflexion sollte ihr klar sein, an welchen Stellen ihr das Glück in die Hände gespielt hat, welcher familiäre Hintergrund ihr etwas abgenommen oder aufgebürdet hat. Viele Männer stehen als Olympiasieger im Rampenlicht und tun so, als ob ihre Leistungen nur ihnen aufs Konto zu schreiben sind und konnten das nur erreichen, weil sie von Frauen unterstützt werden, die ihren Männern viel abnehmen. Sowas sollte jedem Menschen klar sein. Oder Vitamin B hat Ressourcen geliefert. Laut Peter Senge ist das Netzwerk des Menschen immer ein Teil seines Erfolgs.

wortstark: Privates Netzwerk oder beruflich – oder beides?

Heiner Keupp: Beides. Netzwerke sind nicht nur wichtig für das berufliche Vorankommen, sondern auch für die Psychohygiene. Neulich saß ich samstagnachmittags im Zug einer jungen Frau gegenüber, die gerade von einer Dienstreise kam und mir erzählte, dass sie am Sonntag bereits zur nächsten Dienstreise aufbrechen müsse. Durch ihr berufliches Engagement könne sie keine Freundschaften mehr pflegen. Das ist schlimm! Die bräuchte dringend Menschen, mit denen sie sich vertrauensvoll austauschen kann, ohne Konkurrenz, ohne Blick auf ihr berufliches Vorankommen, einfach nur zur Entspannung.

wortstark: Ja, das kann ich mir vorstellen. Das passt jetzt auch gleich zu meiner nächsten Frage, nach den „Ressourcen“ für die Identitätsarbeit, wie Sie das nennen. Wie können wir lernen, uns selbst konstruktiv zu verorten, was hilft uns dabei?

Heiner Keupp: Das ist ein breites Feld. Die entscheidenden Weichen werden in der Kindheit gestellt: Da gibt es Kinder, die mit mehr oder mit weniger materiellen, sozialen und Bildungsressourcen aufwachsen – wobei letztere immer wichtiger werden. Ich bearbeite gerade den nächsten Kinder- und Jugendbericht für die Bundesregierung und darin wird ein Schwerpunkt sein, dass durch die wachsende Armut Kindern die Ressourcen nicht mitgegeben werden, von denen eine positive Lebensperspektive abhängt. Die schlechten Pisa-Ergebnisse heißen ja nicht, dass die deutschen Kinder nicht rechnen oder lesen können, sondern es mangelt an der Lesbarkeit der Welt, an der Fähigkeit, Zusammenhänge zu verstehen, selber zu denken. Und es geht darum, eine Fähigkeit zu entwickeln, mit offenen Situationen umzugehen, nicht in Panik zu verfallen, wenn die Dinge nicht mehr eindeutig sind und nach Fahrplan ablaufen.

wortstark: Sie meinen „Ambiguitätstoleranz“?

Heiner Keupp: (lacht) Ja, ich wollte jetzt nur dieses Fremdwort nicht hineinnehmen.

wortstark: Und ich war so stolz, dass ich es gerade passend parat hatte! (lacht) Aber was passiert, wenn die Dinge nicht mehr nach Fahrplan ablaufen?

Heiner Keupp: Viele junge Leute haben den Umgang mit offenen Situationen nicht gelernt, und suchen nach eindeutig geordneten und überschaubaren Verhältnissen, die sie in Sekten oder hierarchischen Organisationen finden. Bei neuen kreativen Berufen dagegen wäre aber Offenheit und Eigenständigkeit gefordert.

wortstark: Wenn die das nicht in jungen Jahren lernen, können sie das später nachholen?

Heiner Keupp: Nur sehr begrenzt, oft nur über lange Therapien. Es ist viel besser und für die Gesellschaft übrigens auch preisgünstiger, so etwas frühzeitig zu fördern und zwar über die Bildungsinstitutionen vom Kindergarten bis zur Universität. In der letzten Shell-Jugendstudie heißt es, die Jugendlichen wissen, dass es keine dauerhaften Verhältnisse gibt, aber sie sagen auch zu einem hohen Prozent, wir kriegen die Fähigkeiten, damit umzugehen nicht ausreichend vermittelt. Und jetzt gehen auch noch die Universitäten den falschen Weg…

wortstark: Was meinen Sie damit?

Heiner Keupp: In ihrem Jugendlichkeitswahn, den sie von der Wirtschaft übernehmen, dass ein Mensch schon mit 23 Jahren den ersten Titel haben soll, kappen sie jegliche Freiräume und ziehen nur noch Standardprogramme durch. Ich frage manchmal meine Studierenden, welche Seminare sie nicht aus Pflicht machen, sondern einfach aus Interesse. Inzwischen sagen immer mehr: Das schaffe ich gar nicht, weil die Pflichtprogramme so dicht sind. In diesen Verhältnissen kommt die Persönlichkeitsbildung zu kurz. Und die Familie kann das heute aus den oben genannten Gründen immer weniger leisten. Deswegen empfehle ich, mehr in bessere Bildungsinstitutionen zu investieren.

wortstark: Das unterschreibe ich sofort – habe nur leider hier nichts mitzureden. Aber meine Zustimmung haben Sie jedenfalls!

Meine letzte Frage dreht sich um die Identität einer ganzen Firma: Leitbildentwicklung. Wenn schon die Identität des Einzelnen heutzutage so widersprüchlich ist, dass eine eigene Identitätsarbeit geleistet werden muss, wie sehen Sie das bei der potenzierten Form? Fällt das Leitbild automatisch als kleinster gemeinsamer Nenner aus, und riskiert damit, ein austauschbares 0815-Paket zu werden und somit eben doch wieder keine eigene Identität zu verkörpern?

Heiner Keupp: Das mit den Leitbildern ist eine heiße Kiste. Ich habe schon viele solcher Entwicklungsprozesse beobachtet. Schlecht ist, wenn ein Leitbild nur ein von außen aufgedrücktes Etikett wäre, das die Führungsriege unter sich ausgemacht hat und welches nun in Form von Floskeln geschrieben steht. Dann bleibt es fremd und ungeeignet. Aber wenn die MitarbeiterInnen eingebunden werden, kann das sehr positiv wirken. Wichtig ist auch, dass nicht nur die reine Leistungsebene hineinkommt „Wir wollen Nr. X im Ranking sein oder Wert X für die Shareholder erreichen“. Es sollte auch Gesundheit und Wohlbefinden der MitarbeiterInnen hinein, damit sie wissen, dass sie in dieser Organisation gut aufgehoben sind. Ein Leitbild sollte keine fromme Sonntagsmesse sein, sondern auch den Weg zu den Zielen weisen, operativ, konkret und durchaus einklagbar sein.

wortstark: Eine sehr konkrete Nachfrage: Stehen Sie auf kurze Sätze, also eigentlich Leitsätze, oder mehr auf Hintergründe und Erklärungen?

Heiner Keupp: Was bringen denn kurze Sätze? Gar nichts! Wenn Luther den Satz sagt „ich bin ein Protestant und da sind die 10 Gebote“, dann bewirkt das so allein überhaupt nichts. Erst durch seinen seitenlangen Katechimus wird klar, wie die Anwendung der 10 Gebote im Alltag aussehen kann. Gerade solche generellen Aussagen brauchen schon etwas Raum, um verständlich gemacht werden zu können.

wortstark: Das sehe ich auch so, danke für den Rückenwind.- Und damit haben Sie kurioserweise gleichzeitig wieder den Bogen geschlagen zu Ihrer Herkunft aus der Pfarrertradition. Herr Professor Keupp: Ich bedanke mich sehr für dieses überaus menschliche und interessante Gespräch.

Prof. Dr. Heiner Keupp
Sie erreichen Prof. Dr. Heiner Keupp unter Tel: 089 – 2180-5184
E-Mail: Keupp@psy.uni-muenchen.de.
Website: www.lrz-muenchen.de/~Reflexive_Sozialpsychologie/
Literaturtipps:
Keupp, Heiner et al.: Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. Reinbek 2006.
Sennett, Richard: Der flexible Mensch im neuen Kapitalismus. Berlin 2006.

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