Entdeckung der akustischen Visitenkarte

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in unserer weit entwickelten Unternehmenskommunikation gibt es tatsächlich immer noch weiße Flecken auf der Landkarte, Bereiche, von denen vielleicht der ein- oder andere inzwischen schon gehört hat, aber an die sich kaum einer richtig herantraut. Zu diesem bisher wenig frequentierten Gelände gehört hierzulande immer noch die Stimmbildung.

Um zur Aufklärung beizutragen (auch meiner eigenen), habe ich in den letzten Jahren drei Newsletter diesem Thema gewidmet:

Nach einer kompakten Sprecherausbildung im Rahmen meines Journalistik-Studiums hatte ich selbst auch lange nichts mehr von Stimme oder Singen gehört – in der Industrie schien man, anders als bei den Medien, seltsamerweise weitgehend ohne Töne auszukommen.

Mir fehlte etwas, wenn die Welt der professionellen Botschaften nur aus Texten, Powerpoint-Folien und schönen Fotos besteht…. So recherchierte ich in den Jahren 2005/ 2006 aus eigenem Bedarf heraus viel nach allen Themen rund um die Stimme, besuchte vier Jahre lang einen Gospelchor, ein Jahr sang ich parallel sogar in zwei Chören und zur Zeit lerne ich jodeln.
Auf all diesen Wegen war ich nie alleine unterwegs, fand immer Gleichgesinnte. Trotzdem schaue ich noch heute, im Jahr 2011, in meinen Rhetorik- oder Telefontrainings, genauso aber auch beim Führungskräftecoaching in große fragende Augen, sobald ich auf die Stimme an sich zu sprechen komme. Die breite Bevölkerung in diesem Land singt nicht und beschäftigt sich nicht mit der eigenen Stimme, schon gar nicht im beruflichen Zusammenhang. Ich spüre durchaus Interesse, aber auch große Berührungsängste – genau wie damals.

Mit dem aktuellen Newsletter möchte ich einen neuen Anlauf starten, diesen wichtigen Katalysator für eine wirksame Kommunikation für den Unternehmenskontext bewusst zu machen und die Werbetrommel zur Erforschung und Aufnahme des Neulands zu rühren. Ich freue mich sehr, Ihnen mit Cornelia C. Fink eine erfahrene Expertin vorstellen zu dürfen, die unter anderem erklären wird, warum eigentlich das Singen die Menschen so besonders berührt, dass sie weinen – oder auch befreit lachen. Lesen Sie, was Stimmtherapie von Stimmcoaching unterscheidet, was beim Stimmtraining passiert und welche erstaunlichen positiven Nebenwirkungen eine geschulte Stimme für Ihr Image mit sich bringt. Wenn Sie eine gute Idee suchen, wie Sie sich ein noch positiveres Echo (…) im Markt verschaffen können, wenn Sie sich mehr Resonanz (…) in Ihrem Umfeld wünschen, setzen Sie doch mal auf eine leicht überarbeitete akustische Visitenkarte?

Ich freue mich, wenn diese Botschaft bei Ihnen auf offene Ohren trifft und Anklang findet,

Ihre Annette Hartmann

Damit der Gesamtausdruck stimmt: Arbeit am hörbaren Ich

wortstark: Frau Fink – Sie sind diplomierte Sängerin, Schauspielerin und Pädagogin. Heute bieten Sie Trainings und Coaching für Stimme an. Was hat Sie dazu gebracht, selbst mit Ihrer Stimme aktiv zu werden und heute anderen damit Gutes zu tun? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Cornelia C. Fink: Es gibt sogar mehrere Geschichten zu erzählen. Die früheste ist: Ich hatte einen blinden Großvater, was sich wesentlich ausgewirkt hat für mich, die ich mit der Stimme arbeite. Als ich klein war, hat er mich auf seinen Schultern durch den Garten getragen und gesagt „Du wirst mal Opernsängerin“. Und genau das ist passiert. Mein nächstes Schlüsselerlebnis war dann das Theater selbst. Ein Schauspieler lernt ja alle – wie man neudeutsch sagt „tools“ (Werkzeuge) – um eine Rolle glaubwürdig darzustellen. In meiner Arbeit als Stimmtrainerin kann ich das heute nutzen. Wenn der Gesamtausdruck einer Person nicht stimmt – da ist das Wort Stimme ja drin – weiß ich, woran das liegt. Wenn zum Beispiel die Stimme nicht zum Menschen passt. Wenn ein Mann auf Sie zukommt, der aussieht wie Adonis vom Himmel gefallen und er macht den Mund auf und spricht ganz hoch, piepsig und leise.

wortstark: Was gibt es aus Ihrer Theatererfahrung noch in dieser Richtung?

Cornelia C. Fink: Ich frage mich oft: Welche Rolle spielt ein Mensch, sei es in einer Talkshow im Fernsehen oder wenn ich ihm persönlich begegne? Und ich habe noch während meiner Ausbildung angefangen, die Antwort auf diese Frage in mir selber zu spüren. Ich spüre in meinem Körper was im Gegenüber passiert und was eventuell unstimmig ist. Und ich finde dadurch auf Wunsch natürlich auch die individuellen Wege, das zu verändern. Dafür ist eine ausgeprägte Beobachtungsgabe wichtig, die mir quasi in die Wiege gelegt worden ist. Was transportiert das hörbare Ich? Damit beschäftige ich mich heute mehr denn je. Deswegen habe ich Pädagogik und Psychologie dazu studiert, weil ich sattelfest sein will, wenn ich mit Menschen arbeite. Das ist in Kurzform mein Werdegang, der aus der Künstlerin die Pädagogin werden ließ.

wortstark: … Ja… Ich bin gerade noch ganz beeindruckt vom „hörbaren Ich“…

Cornelia C. Fink: Das ist ein Ausdruck, der für mich persönlich zum Kern meiner Arbeit geworden ist. Das bekam ich nicht zuletzt von meinem Großvater mit, der immer wusste, wie ich aussah, obwohl er blind war. Er hat immer gesagt, „ich höre das“.
 
wortstark: Faszinierend! Zur nächsten Frage: Die Arbeit an der Stimme ist für viele Menschen vollkommen fremdes Terrain. Lassen Sie uns deshalb bitte erstmal Ordnung in die Begriffe bringen und sortieren, was dahintersteckt: Was ist der Unterschied zwischen klassischer Stimmbildung, Stimmtherapie und Stimmtraining oder – coaching? Und was bieten Sie davon an?

Cornelia C. Fink: Ich biete das alles an und erkläre Ihnen gern, warum, und wie das zusammenhängt. Die Anliegen, mit denen ein Mensch kommt, lässt die Begriffe sich miteinander verweben. Nehmen wir das Beispiel Gesang. Da kommt jemand und sagt „Ich möchte singen lernen“. Im Gesang muss ich erstmal die Stimme bilden, ihren Stimmklang freilegen, das, was im Menschen verborgen ist - das ist also Stimm-Bildung. Bei der Freilegung des persönlichen Stimmpotenzials arbeite ich erstens an der Persönlichkeit und zweitens muss der Körper lernen, bestimmte Muskeln zu stärken und Verknüpfungen zu festigen, er muss das üben, und das ist dann Stimm-Training. Es zeichnet sich aus durch regelmäßige Übung und durch Wachstum und durch Entwicklung.

wortstark: Gilt das denn nur für das Singen?

Cornelia C. Fink: Nein, wir könnten natürlich auch den Gesang weglassen, weil vielleicht jemand Lehrer ist und nicht mehr heiser werden will. Mit Training kann er hier seine Stimme trainieren, um belastbarer zu werden. Bei Stimmbildung dagegen geht es darum, das Einzigartige im Schüler freizulegen und aufzubauen. Unsere Stimme ist  so individuell wie ein Fingerabdruck. Deswegen kann ja auch die Polizei anhand von Stimmproben einen Verbrecher identifizieren. Auf der Welt sind keine zwei Stimmen gleich, selbst wenn gute Stimmimitatoren sehr nah herankommen, sie schaffen trotzdem keine 100%-ige Übereinstimmung. Ich persönlich finde es beruhigend zu wissen, dass wir bei der Stimme sozusagen einen eingebauten Kopierschutz haben… (lacht). Das sind mal die Begriffe Stimmbildung, Stimmtraining, Gesang.

wortstark: Prima, vielen Dank. Und was ist Stimmtherapie?

Cornelia C. Fink: In der Stimmtherapie unterscheidet man die Arbeit an der Stimme und die Arbeit mit persönlichen Themen, Blockaden oder auftauchenden Altlasten. Ich selbst therapiere auch Stimmstörungen, also wenn zum Beispiel jemand lispelt – Sprechfehler hat - oder stottert – Sprechhemmungen hat - , oder Hochdeutsch sprechen lernen will. In der Stimme werden aber eben auch größere Themen hörbar. Die alten Griechen haben gesagt „Das Zwerchfell ist der Sitz der Seele“. Und heute weiß man, dass alle verdrängten Emotionen oder seelischen Traumata sozusagen auf dem Zwerchfell liegen bleiben. In dem Moment wo ich töne oder singe, und das Zwerchfell dabei aktiviert wird, kommen diese verdrängten Anteile nach oben. Da fangen die Menschen manchmal an, zu weinen oder auch zu lachen, weil aus ihnen etwas herausfließt, was oft jahrelang verborgen war. Das kann ganz harmlos sein: Sie weinen oder freuen sich und es ist weg. Wenn es tiefer geht, empfehle ich an einen Fachmann weiter und arbeite manchmal auch mit ihm zusammen.

wortstark: Danke. Könnten Sie vielleicht an einem Beispiel aus der Arbeitswelt deutlich machen, wie Sie dort vorgehen? Also ein Fall aus dem Stimmcoaching?

Cornelia C. Fink: Ja. Da kommt zum Beispiel jemand, der sich unwohl fühlt beim Präsentieren. Den höre ich mir erstmal an.

wortstark: Und worin besteht die Analyse? Oder der Prozess?

Cornelia C. Fink: Ich spüre sehr schnell, wo die Probleme sind und löse sie mit entsprechenden Übungen auf. Es kommt zum Beispiel eine Frau, da sitzt die Stimme nur im Kopf. Dann kommt der Inhalt nicht so gut rüber, denn es fehlt die emotionale Ebene. Da schreibe ich mir dann auf: „Stimme tiefer platzieren lernen“. Oder jemand, der spricht leise. Der braucht Übungen fürs Zwerchfell, um den Muskel zu stärken. Der nächste ist nervös. Dem gebe ich eine Atemübung an die Hand, mit der er sich immer ankern kann, in jeder Situation. Und dann gebe ich den Leuten meistens noch etwas mit, was sie in ihrem Körper regelrecht verfolgen können. Meinetwegen, dass sie immer, wenn Sie „o“ sagen, die Lippen nach vorne nehmen – sofort wird die Mimik lebendig. Oder dass sie lernen, über den Blick mit den Leuten in Verbindung zu treten, die ihnen zuhören. Das steigert ihre Präsenz. Oder dass Sie sich durch Summen entspannen können und die Stimme lockern.

wortstark: Aber wie analysieren Sie, wo es hakt?

Cornelia C. Fink: In einer Präsentation präsentiert ein Mensch ja nicht nur ein Thema, sondern auch sich selbst. Wir schauen also auch immer gemeinsam darauf, wann und wo der persönliche Fluss unterbrochen wird und warum jemand nicht authentisch rüberkommt.
 „Stopp“ ist dabei das wichtigste Wort in jedem Coaching oder Training, sowohl von mir, dass ich mir innerlich sage, mehr mache ich nicht, oder von meinem Gegenüber. Die Stimme überrollt Sie nicht. Sie lässt Ihnen immer Raum, weil sie sich niemals von 0 auf 100 öffnet, sondern das ist ein Prozess. Sie bleiben also immer Herr im eigenen Haus und bestimmen das Tempo.

wortstark: Verstehe. Und das alles geht damit los, dass der Mensch Ihnen eine Sprechprobe von seiner Stimme liefert…

Cornelia C. Fink: Ja, ich brauche immer eine Referenz, am besten eine, wo sich der Klient dahingehend unbeobachtet fühlt, zum Beispiel frage ich, ob er mal demnächst ein Kundengespräch hat, wo ich zuhören kann. Am liebsten habe ich die echte Situation. Darum auch in Seminaren die Vorstellungsrunde, da weiß ich dann meistens schon ganz viel, sowohl durch die Körpersprache, durch die Stimme und durch das, was  jemand sagt, was er sich für seine Stimme oder Sprache wünscht.

wortstark: Das geht ja doch auch ziemlich hinein in die Rhetorik?

Cornelia C. Fink: Die Stimme ist sozusagen in der Rhetorik die Königsdisziplin und gleichzeitig die Basis.

wortstark: Hm. Also gegen diese umfassende Einschätzung möchte ich etwas dagegenhalten. Nach der berühmten Untersuchung von Albert Mehrabian aus dem Jahr 1972, die interessanterweise bis heute nicht widerlegt wurde, steht bei der Wirkkraft eines Menschen auf der Bühne die Optik mit 55% im Vordergrund, dann folgt die Stimme mit 38% und Schlusslicht ist der Inhalt mit 7%. Demnach wäre doch die Optik die Königsdisziplin, oder?

Cornelia C. Fink: Körpersprache hat – wie das Wort schon sagt - auch mit Sprache zu tun, mit nonverbaler Sprache, und dadurch auch mit Stimme und Stimmigkeit.

wortstark: Na ja... Der Ausdruck ist jedenfalls visuell.

Cornelia C. Fink: Das eine geht nicht ohne das andere. Meine Haltung hat einen großen Einfluss auf meine Stimme. Wenn ich während ich mit Ihnen spreche, meinen Kopf extrem nach vorne schiebe und dabei rede … – merken Sie, wie meine Stimme sich verändert? 

wortstark: Ja. Klingt gepresst.

Cornelia C. Fink: Meine Haltung hat also eine große Auswirkung auf meinen Stimmklang. Sobald ich mich im Körper irgendwo verschließe, habe ich keine offene Stimme. Das heißt aber jetzt nicht, dass ich Seminare mache für Körpersprache. Ich sage meinen Seminarteilnehmern nur, dass sie 10 Worte und sieben Sekunden haben, um ihren ersten Eindruck zu gestalten. Dafür schaue ich mir an, wie sitzt er auf einem Stuhl? Wo verschließt er durch seine Körperhaltung eines der Kommunikationszentren? Und damit berühre ich natürlich dann auch das Thema Körpersprache.

wortstark: Eben: Er wird doch zuerst visuell sichtbar und dann wird er erst etwas sagen? Ich fühle mich immer unwohl mit dieser Einstufung von Königsdisziplinen, weil das doch eine Über- oder Unterordnung ist, als sei das eine nun wichtiger oder toller. Ich denke eher, was Sie vorhin sagten: Das eine hängt mit dem anderen so eng zusammen. Es ist doch gar nicht sinnvoll, das gegeneinander zu stellen?

Cornelia C. Fink: Deswegen bin ich auch ein großer Fan von Vernetzung. Ich gebe keine Rhetorik-Seminare, weil das nicht meine Kernkompetenz ist, und ebenso schicken mir Trainer von Rhetorik-Seminaren Interessenten zum Thema Stimme.  

wortstark: So handhabe ich das umgekehrt auch.

Cornelia C. Fink: Leider findet aber in diesem Bereich zur Zeit so eine Art Ausverkauf statt, wo wirklich Referenten mal kurz in ein Stimmtraining gehen und anschließend sagen „das biete ich jetzt auch an“. Aber es bleibt dann nur an der Oberfläche, eben bei einer Fassadenverschönerung. Andererseits lernen die Menschen gerade wieder, dahinterzuschauen, immer feiner hinzuhören, erstaunlich, und zwar je mehr sie merken, wie sehr doch das Auge täuschen kann.

wortstark: Sie sehen also eine Aufwertung der Stimme gegenüber den anderen Faktoren?

Cornelia C. Fink: Die Aufwertung besteht darin, dass die Stimme langsam ihren Platz in den so genannten soft skills bekommt, weil eben das andere nicht mehr ausreicht. Der Mensch, der abends die Fernsehwerbung anschaut, der fragt sich immer öfter: Woher weiß ich, dass das „stimmt“, dass dieser Joghurt die Darmflora gesund macht? Wir fragen uns immer mehr nach der Stimmigkeit. Und das ist auch mein Ziel beim Stimmcoaching. Es geht um Stimmigkeit mit mir selbst, mit meinem Thema und mit meinem Anliegen.

wortstark: Was mit gerade einfällt: Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen den Geschlechtern – was haben Sie beobachtet?

Cornelia C. Fink: Die Männer erleben normalerweise einen gesunden Stimmbruch und gehen von der Kinderkopfstimme in den Körper und die Stimme eines erwachsenen Mannes. Damit haben sie natürlich auch einen viel größeren Klangraum zur Verfügung, wenn Sie sich das mal bildlich vorstellen, vom Kopf bis zum Schambein. Frauen haben auch einen Stimmbruch, was die meisten gar nicht wissen, und wenn der nicht ordentlich vollzogen ist, dann bleiben sie bei einer Kleine-Mädchen-Stimme oder ihre Stimmen werden durch fehlgeleiteten Druck spröde und unschön. Bei Männern liegt die Stimme offener, die ist schon da wo sie von der Tiefe her  hin soll und kann von da aus bewusst gemacht und trainiert werden. Stimmtrainings dauern bei Frauen länger, weil sie ja erstmal mit ihrer Stimme dort hinkommen müssen und auch lernen müssen dort zu bleiben und  sich daran zu gewöhnen. Der Mann ist schon da. Das ist so ähnlich, wie wenn ich mit jemand zum Joggen gehe, der schon laufen kann und der andere muss erstmal lernen, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

wortstark: Frauen haben es also viel mehr nötig, oder?

Cornelia C. Fink Natürlich, vor allem weil sie oft den Fehler machen, im Beruf viel zu männlich auftreten zu wollen, aber sie sind nun mal Frauen und das macht sie dann unglaubwürdig. Männer haben andere Probleme, zum Beispiel die Krawatte, die ihnen den Hals und somit auch energetisch die Stimme zuschnürt.  

wortstark: Das führt mich zum nächsten Aspekt: Wie viel Kopf, Logik und wissenschaftliche Objektivität ist beim Thema Stimme angesagt? Ich habe einst auf einer Messe mal so ein Programm gesehen, da spricht man in ein Mikrofon drei Sätze hinein, dann rechnet der Laptop kurz und anschließend kommt aus dem Drucker eine bunte Kurvengrafik mit ergänzenden Zahlenwerten zur Stimme heraus. Was halten Sie davon?

Cornelia C. Fink: Es gibt immer Leute, für die es wichtig ist, so etwas mal zu sehen. In jeder Zeitschrift, wo es um das Thema Stimme geht, erscheinen solche Darstellungen. Aber wenn ich das Leuten zeige, die nicht wissen, was dahintersteht, dann ist es auch nur eine schöne Kurve, genauso wie wenn ich mir den DAX anschaue.
Es gibt eine Doktorarbeit von Lilian Glass, die herausfand, dass jeder Mensch mit seinem ungeschulten Ohr 60 bis 65 % der Charaktereigenschaften eines Menschen aus dessen Stimme heraushören kann. Geschulte Ohren schaffen bis zu 100%. Ein menschliches Ohr ist grundsätzlich besser als jedes technische Gerät, weil in der Stimme emotionale Schwankungen drin sind.
Ein Teil der Ausstrahlungskraft einer Stimme lässt sich abbilden, ein anderer Teil eben nicht.
Der Mensch hat eine Seele. Klang ist mehr als das, was herauskommt, wenn man von der Lunge durch den Kehlkopf etwas Luft durchschickt. Selbst Mediziner haben mir gesagt, dass sie nicht wissen, wodurch ein Ton letztlich wirklich erzeugt wird. Das bleibt immer noch ein Stück übernatürlich, göttlich, wie auch immer, wir müssen ja auch nicht alles wissen, oder?

wortstark: Tja, … Lassen Sie uns doch nun einem ganz weltlichen Aspekt Ihrer Arbeit zuwenden: Was kosten Ihre Angebote, wie lange dauern sie und wo finden sie statt?

Cornelia C. Fink: Meine Preise vereinbare ich individuell, ich mache sie unter anderem auch von der Lebenssituation meines Klienten abhängig. Da die meisten ihre Stimme beruflich nutzen, ist die Ausgabe steuerlich absetzbar. Und die Summe hängt davon ab, was jemand will: Braucht er ein Coaching, dann ist es oft mit fünf Terminen getan. Auch, wenn ein Franke seine Aussprache von p, b, t und d verändern will, ist das keine Lebensaufgabe (lacht). Will ein Mensch aber Gesangsunterricht nehmen, dann ist es wohl eher ein Hobby, da möchte jemand am liebsten jede Woche kommen. Und er tut das, weil er Spaß daran hat. Beim Yoga gehe ich auch nicht hin und frage: Wie oft muss ich denn kommen, bis ich mein Bein hinter dem Kopf hab? (lacht)

wortstark: (lacht) Ha! Toller Vergleich! Und wo finden die Übungen in Ihrem Fall statt?

Cornelia C. Fink: Ich lebe in Würzburg und habe dort auch verschiedene Räume zur Verfügung in verschiedenen Größen: Wir können in eine Kirche gehen, in die Hochschule, in ein Studio, da habe ich viele Möglichkeiten. Punktuell bin ich auch in München. Bei konkreten Anliegen wäre es gut, derjenige würde einen halben oder einen Tag zu mir kommen. Bei speziellen Aufträgen, Seminaren und Vorträgen oder Inhouse-Veranstaltungen für Unternehmen reise ich natürlich auch.

wortstark: Kommen wir doch mal zum Erfolgsnachweis. Der Gesprächspartner meines 27. Newsletters, Stefan Kirchner, konnte in seiner Studie erstmals die positive Wirkung von Stimmtrainings nachweisen, jedoch zunächst nur unmittelbar nach dem Training. Eine Langzeitstudie gab es im Frühjahr 2006 noch nicht. Was sagen Sie, wenn Sie nach dem Erfolgsnachweis gefragt werden? 

Cornelia C. Fink: Ich kann natürlich nach 25 Jahren Berufserfahrung eine große Anzahl individueller Beispiele präsentieren. Mit dem Stimmtraining ist es wie mit dem Fitnesstraining. Es ist ein unmittelbarer Effekt nachweisbar, wenn vorher die Stimme aufgewärmt und geübt wurde – wie beim Sport. Wenn das dann regelmäßig passiert, bilden sich die Muskeln aus, das heißt die Stimme gewöhnt sich an diesen neuen Klang und der ist dann auch abrufbar, sobald der Mensch den Mund aufmacht. Bevor jemand nun sagt, „für Übungen habe ich keine Zeit“, ich habe eine ganze Reihe von Übungen entwickelt, die Sie in den Alltag einbauen können und die einen Soforteffekt haben. Sagen Sie mal zustimmend „hm hm“.

wortstark: „hm hm“… ?

Cornelia C. Fink: Wenn Sie das bewusst machen, lockern Sie damit die Stimme. Wenn Sie ab heute darauf achten, haben Sie ein Stimmtraining.

wortstark: Aha!

Cornelia C. Fink: Aha! Mit „aha“ haben Sie den Kopfklang, und mit „hm hm“ aktivieren Sie den Brustklang.

wortstark: Ach so?! (lacht) Und was aktiviere ich mit „ach so“ plus Lachen?

Cornelia C. Fink: Das Lachen lockert dann wieder das Zwerchfell! (lacht) Jetzt sehen Sie wunderbar, wie einfach man so etwas umsetzen kann und dass es auch noch Spaß macht! Nur durch das Bewusstsein, was durch das Üben entsteht, kann ich sofort alles verändern. Es braucht also nicht lebenslange Stimmarbeit, um seine Stimme zu verbessern, sondern manches geht auch zack – so schnell, ich muss nur einmal darüber bewusst nachgedacht haben. Und dann ist immer die Frage, wie wichtig ist mir das Ziel und das Ergebnis, um an meiner Stimme zu arbeiten? Wer etwas verkauft, braucht Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Da ist die Stimme enorm wichtig. Man kann auch sagen:„Voice sells“.

wortstark:  Also … Ich bin beeindruckt.

Cornelia C. Fink: Sie fragen ja gern nach Studien und wissenschaftlicher Forschung. Die Spiegelneuronenforschung – siehe Joachim Bauer in seinem Buch: „Warum ich fühle, was du fühlst“ -  fand heraus, dass die Stimmbänder von Zuhörern mit denen von Sängern oder Sprechern mitreagieren, d.h. Wohlgefühl oder Unbehagen wird erlebt, denn Druck oder Offenheit überträgt sich. Das erklärt auch warum es speziell bei klassischen Gesangskonzerten im Publikum manchmal vollkommen ruhig ist, während es bei weniger guten Darbietungen immer eine gewisse Unruhe gibt, durch Räuspern und Rascheln... Dasselbe gilt übrigens auch bei Vortragsrednern, Politikern, Lehrern… Sie haben ja sicher auch schon erlebt, dass Sie zum Beispiel ein Telefonat gern schnell beenden wollten, weil Ihnen die Stimme des Gegenübers nicht gut getan hat.

wortstark: Ja. Das bringt uns zum Aspekt Telefon, den ich sowieso ansprechen wollte. Hier gibt es ja dann nichts mehr zu Gucken. Entsprechend stark müsste die Stimme wirken, oder?

Cornelia C. Fink: Genau. Ich nenne das „die Stimme ohne Gesicht“ und diese wirkt noch unmittelbarer aufs Gefühl. Man weiß aus dem Theater: Je dunkler es ist, desto besser hören wir. Sokrates sagte: „Sprich, dass ich Dich sehe“. Durch das Hören machen wir uns ein Bild von jemandem. Wenn wir etwas besonders intensiv aufnehmen wollen, machen wir die Augen zu.
Das Auge ist schneller als das Ohr. Aber das Ohr nimmt vielschichtiger auf. Und die Stimme ist mit dem Teil im Gehirn verknüpft, der für Empfindungen zuständig ist. Deshalb ist es schwer, Veränderungen in der Stimme zu beeinflussen, die durch Gefühle entstanden sind. Testen Sie mal: Schalten Sie beim Fernsehen zuerst den Ton weg. Und danach machen Sie die Augen zu. Erkenntnis: Wenn ich nur das Auge habe, schweife ich gedanklich eher ab. Wenn ich nur das Ohr habe, muss ich mich mehr konzentrieren. Aber das ist auch anstrengender. Deshalb wollen die Leute lieber Bilder haben.

wortstark: Das würde ein Stück weit erklären, warum wir im visuellen Zeitalter leben: Aus Bequemlichkeit.

Cornelia C. Fink: Ja. Wenn Sie ein Buch lesen, müssen Sie sich Bilder im Kopf machen und Ihre Fantasie anstrengen. Wenn Sie das Bild mitgeliefert bekommen, geht es schneller und ist einfacher. Das finden wir gut. Gleichzeitig geraten wir durch diese schnellen und vielen Bilder in Stress weil unser Gehirn sie nicht mehr richtig verarbeiten kann und haben das Gefühl, dass die Zeit schneller zu werden scheint.
Wir leben in ständiger Verfügbarkeit, wir wollen möglichst schnell und viel sagen, aber kürzer und komprimierter. Alles schnell. Andererseits steigt die Sehnsucht nach Tiefe, Authentizität, Glaubwürdigkeit und Kreativität. Das alles wird nur durch Bilder nicht befriedigt. Es bleibt nichts hängen. Fragen Sie mal jemand nach einem Fernsehabend, was er eigentlich gesehen hat. Das weiß der oft gar nicht!

wortstark: Ja, das stimmt sicherlich in vielen Fällen. Kommen wir nun zur offenen Frage: Wenn Ihnen aus Ihrem Kontext noch etwas einfällt, was hier nicht angesprochen wurde, aber Ihnen wichtig ist, dann finden Sie hier Raum dafür.

Cornelia C. Fink: Zunächst möchte ich Ihnen noch etwas über die Bedeutung und die Wahrnehmung von Stimmen erzählen. Eine Studie der Universität Düsseldorf vom Juni 2010  hat ergeben, dass Menschen mit einer wohltönenden Stimme als intelligenter, beliebter, erfolgreicher beschrieben werden. Sie werden für freundlicher, sexuell attraktiver, glaubwürdiger gehalten, und, was auch interessant ist: Es wird ihnen eher geholfen und man hält sie eher für unschuldig. Und Leute mit Gesichtsanomalien wie ein hängendes Augenlied oder eine Hasenscharte, werden eher als körperlich attraktiv empfunden, wenn sie eine schöne Stimme haben. Dieser Mann aus Amerika, Ted Williams, der jetzt bei YouTube so groß rauskam, ist das beste Beispiel. Der hat sich als Sozialhilfeempfänger an die Straße gestellt mit einem Schild „Ich spreche für Sie“, und die Leute sind scharenweise hingefahren und haben sich von ihm ein Gedicht aufsagen lassen, weil sie die Stimme so toll fanden. Und dann hat es jemand aufgenommen und bei YouTube eingestellt und die Aufzeichnung bekam Klicks jenseits von Gut und Böse! Inzwischen ist er unter Vertrag bei einem großen amerikanischen Sender.

wortstark: Toll!

Cornelia C. Fink: Doch was ich eigentlich damit sagen will: Die Stimme ist sehr mächtig. Sie ist die größte Verräterin und die zuverlässigste Vermittlerin von Botschaften. In der Stimme offenbart sich der Mensch. Hier drückt sich sofort aus, ob jemand gehemmt ist oder unter Druck steht. Sie ist ein empfindliches Organ. Die Stimme drückt aus, ob ich mein eigenes Ego in den Vordergrund stelle oder den Wunsch habe, dass es meinem Gegenüber gut geht. Eine Stimme zeigt sich selbst und wer darum weiß, fängt nach meiner Erfahrung früher oder später an, seine Stimme zu entdecken und zu pflegen. Für mich persönlich ist gutes Sprechen eine Lebenshaltung, eine Be-rufung und ein Beruf. Stimme und Stimmigkeit ist mein Lebensthema. Ich möchte Menschen spüren, wenn sie sprechen. Und ich möchte dazu beitragen, dass das auch anderen besser gelingen kann. Dann führt Stimme in die „persönliche“ Freiheit, die Freiheit, ganz zu sein, denn Persönlichkeit kommt von lateinisch „personare“ und das bedeutet Hindurchklingen. Und um es noch ein bisschen „romatisierter“ auszudrücken: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, sagt Saint-Exupéry in seinem „kleinen Prinzen“. Vielleicht wäre die Welt ein kleines Stückchen besser, wenn wir wieder mehr mit dem Herzen hören würden. Wir könnten die Lügen, Manipulation und den Egoismus der Leute besser entlarven und auch die Wahrheit und die Glaubwürdigkeit eher erkennen, nach denen wir uns letztendlich doch alle sehnen…

wortstark: Stimmt… in diese Ihre Worte kann ich richtig eintauchen, da kann ich richtig drin baden, die kann ich genießen… Vielen Dank, Frau Fink, für dieses spannende und angenehme Gespräch.

Cornelia C. FinkSie erreichen Cornelia C. Fink  unter Tel. 0931 – 260 33 80                    
oder E-Mail unter ccf@stimmwege.de
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